Alessandro Grelli
Alessandro Grelli
2026 – 2028
Alessandro Grelli forscht zum Thema Die Stadt in der Rotunde, die Rotunde in der Stadt: die urbane „Panoramanie“ im 19. Jahrhundert (London, Paris, Berlin, 1790–1900) im Rahmen des Zweijahres-Themas »Das Bild der Stadt« am DFK Paris.
Forschungsschwerpunkte
1787 ließ sich der irische, in Edinburgh tätige Künstler Robert Barker seine Erfindung La Nature à Coup d’Œil patentieren, die er 1791 in Panorama umbenannte – ein aus dem Griechischen gebildeter Neologismus, der »Blick auf das Ganze« bedeutet. Es handelte sich um ein riesiges 360-Grad-Gemälde, das eine Stadtansicht, eine Landschaft oder ein historisch-militärisches Ereignis darstellen und ein immersives Erlebnis schaffen sollte – das heißt, es sollte es den Besuchern ermöglichen, in das Bild einzutreten und das Dargestellte selbst zu erleben. Indem das Panorama eine völlig neue Art der Kunstbetrachtung einführte und ein bis dahin unbekanntes Erlebnis virtueller Realität schuf, begeisterte es rasch die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und etablierte sich als eines der populärsten Medien seiner Zeit, sodass Schriftsteller, Kritiker und Journalisten von einer regelrechten »Panoramanie« sprachen.
Dieses Forschungsprojekt widmet sich einer besonderen Panoramagattung, die im 19. Jahrhundert großen Erfolg hatte: dem Stadtpanorama. Indem das Panorama gerade die Stadt, die es beherbergte, ins Bild setzte, definierte es – in einem ebenso faszinierenden wie paradoxen Spiel von Blicken und Spiegelungen – seine eigene Identität als Medium, wobei es zugleich einen verschlungenen Weg voller abrupter Brüche, plötzlicher Wendungen und unerwarteter Richtungswechsel nahm.
Genau diesen verschlungenen Wegen will das Projekt nachgehen, indem es das Phänomen der »Panoramisierung« rekonstruiert, mit dem die Stadt im Laufe des 19. Jahrhunderts konfrontiert war. Durch die Verbindung von Bild-, Kultur-, Stadtgeschichte und Medienarchäologie soll gezeigt werden, wie sich das Panorama der Stadt bemächtigte, um sie als Bild, Schauspiel und Ware zugänglich zu machen, und wie umgekehrt die Stadt das Panorama als physischen Ort prägte – das heißt als einen eigenständigen neuen urbanen Raum neben den Passagen, den Boulevards und der Eisen- und Glasarchitektur.
Um diese Prozesse zu erfassen, wird das Projekt drei der wichtigsten urbanen und panoramischen Zentren Europas im 19. Jahrhundert untersuchen: London, Paris und Berlin.
Zur Person
Werdegang
Alessandro Grelli ist promovierter Historiker an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und der Universität Padua. Seine Dissertation, betreut von Bertrand Tillier und Enrico Francia, trägt den Titel Guerres spectaculaires : les panoramas militaires en Europe au XIXe siècle (1793–1912). Seine Forschungsinteressen gelten vor allem den Prozessen der Spektakularisierung, Medialisierung und Kommerzialisierung von Politik, Kunst und Kultur zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert. Nach seinem Abschluss in Sozialwissenschaften an der Scuola Galileiana di Studi Superiori (SGSS) übernahm er ergänzende Lehrtätigkeiten im Rahmen des Masterstudiengangs Geschichtswissenschaften der Universität Padua. Er ist Mitglied des International Panorama Council (IPC) sowie der Società Italiana per lo Studio della Storia Contemporanea (SISSCO) und hat Aufsätze in zahlreichen italienischen und internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Derzeit forscht er im Rahmen des Zwei-Jahresthemas 2026–2028 »Das Bild der Stadt« am DFK Paris zur urbanen »Panoramanie« des 19. Jahrhunderts.