Ökologien des Surrealismus
Ökologien des Surrealismus
Dieses Forschungsprojekt versteht den Surrealismus als eine weltanschauliche Form ökologischen Denkens. Lange bevor Ökologie zu einer politischen Leitkategorie wurde, entwickelte die surrealistische Bewegung ein Denken in Verbindungen: zwischen Mensch und Natur, Innen- und Außenwelt, Traum und Materie, Mythos und Wissenschaft. Natur erscheint hier nicht als klassifikatorisch zu erfassendes System, sondern als lebendiges Geflecht von Relationen, Übergängen und Metamorphosen.
Ausgehend von romantischen Genealogien und den wissenschaftlichen Umbrüchen des frühen 20. Jahrhunderts zeigt die Studie, wie sich in Kunst, Biologie, Physik und Anthropologie neue Modelle von Austausch und Offenheit herausbilden. Im Werk von Max Ernst, André Breton, Benjamin Péret, Toyen, Leonor Fini, Meret Oppenheim und anderen wird Natur nicht dargestellt, sondern als dynamischer Zusammenhang erprobt: in mimetischen Verschiebungen, aufgelösten Naturreichen und instabilen Identitäten.
So erscheint der Surrealismus als Labor einer relationalen Weltauffassung – als poetische Erkundung jener ökologischen Denkweise, die die Trennung von Kultur und Natur grundsätzlich in Frage stellt.
Von September 2019 bis Juni 2020 konnte Julia Drost ihre Forschungen als Scholar im Rahmen des Jahresthemas Art & Ecology am Getty Research Institute in Los Angeles betreiben und setzt ihre Arbeit nun am DFK Paris fort.
Leitung