Between Democracy and Dictatorship. Interdependencies and Political Transfers between Latin America, Europe, and the USA in the 19th and 20th Centuries
DFK hors les murs
Between Democracy and Dictatorship. Interdependencies and Political Transfers between Latin America, Europe, and the USA in the 19th and 20th Centuries
Einrichtung der 4. Transnationalen Forschungsgruppe der Max Weber Stiftung
Der Stiftungsrat der Max Weber Stiftung (MWS) hat in seiner 56. Sitzung am 8. Mai 2026 in Warschau die Einrichtung der vierten Transnationalen Forschungsgruppe der Stiftung beschlossen. Den Zuschlag erhielten die Deutschen Historischen Institute Washington und Rom sowie das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris mit einem gemeinsamen Konzept unter dem Titel Imperial Legacies. Konflikte um Normen, Macht und Bilder in den postimperialen Gesellschaften Lateinamerikas (1820–2020). Von 2027 bis 2031 wird die Forschungsgruppe die langfristige Wirkmacht imperialer Vergangenheiten im Cono Sur (Argentinien, Brasilien, Chile) untersuchen.
Die Forschungsgruppe untersucht, wie imperiale Vergangenheiten die politischen Kulturen, internationalen Beziehungen und visuellen Ordnungen Lateinamerikas seit dem 19. Jahrhundert bis heute geprägt haben. Im Mittelpunkt stehen Argentinien, Brasilien und Chile. Die beteiligten Wissenschaftler*innen aus Lateinamerika und Europa fragen danach, wie koloniale und imperiale Ordnungsvorstellungen nach der Unabhängigkeit fortwirkten, umgedeutet oder zurückgewiesen wurden — etwa in Debatten über Staatsbürgerschaft, Recht, politische Legitimation, internationale Einflussnahme und gesellschaftliche Zugehörigkeit. Einen besonderen Akzent setzt das Projekt auf die Verbindung von Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte und Rechtsgeschichte: Macht, Normen und Bilder werden als eng miteinander verflochtene Felder verstanden, auf denen postimperiale Ordnung bis in die Gegenwart ausgehandelt wird.
Die Untersuchung erfolgt auf drei miteinander verflochtenen Analyseebenen:
• Politische Kultur: Das Spannungsverhältnis zwischen innovativer Verfassungsrhetorik und der Fortdauer kolonialer Rechtsnormen, Justizpraktiken sowie ethnisch-sozialer Hierarchien bei der Aushandlung von Staatsbürgerschaft und Herrschaftslegitimation.
• Internationale Beziehungen: Informelle und indirekte Mechanismen der Machtausübung durch Handel, Infrastrukturen, Kredite und Sicherheitsdoktrinen (historisch geprägt durch das Britische Empire und die USA, gegenwärtig erweitert durch die globalen Infrastrukturstrategien Chinas).
• Visuelle Kultur: Bilder, Symbole und performative Praktiken als eigenständige, historisch wirksame Medien, über die politische Sichtbarkeit, gesellschaftliche Teilnahme und Widerstand aktiv mitkonstituiert werden.
Der Beitrag des DFK Paris zur Visuellen Kultur
Das Deutsche Forum für Kunstgeschichte Paris bringt die bildwissenschaftliche und kunsthistorische Perspektive in den Forschungsverbund ein. Visuelle Praktiken werden hierbei als eigenständige Akteure verstanden, die gesellschaftliche Prozesse nicht bloß abbilden, sondern aktiv mitkonstituieren. Am Beispiel Brasiliens wird in diesem Rahmen analysiert, wie indigene Akteure über spezifische Bild- und Wissensformen visuelle Gegenentwürfe zu kolonialen Fortschrittsmodellen artikulieren. Parallel dazu wird untersucht, wie stark politische Mobilisierungen – etwa im Umfeld des brasilianischen Modernismo oder des argentinischen Peronismus – an visuelle Codes und ästhetische Imperative gebunden waren. Schließlich geraten transatlantische Praktiken der Vergangenheitsbewältigung in den Blick, wie das kollektive Sichtbarmachen der Opfer der Militärdiktaturen der 1960er und 1970er Jahre durch das Medium der öffentlichen Fotografie.
Explorative Maßnahmen
Die Einrichtung der Forschungsgruppe basiert auf einer vorausgegangenen, gemeinschaftlich getragenen explorativen Maßnahme der beteiligten Institute. Unter dem Titel „Zwischen Demokratie und Diktatur. Verflechtungen und politische Transfers zwischen Lateinamerika, Europa und den USA im 19. und 20. Jahrhundert“ wurde das theoretische Fundament für das jetzige Verbundprojekt gelegt.
Den Grundstein für den Arbeitsstart legt eine internationale Tagung vom 13. bis 14. Juli 2026 an der Universidad Adolfo Ibáñez (Errázuriz Campus) in Santiago de Chile. Sie führt die Ergebnisse einer vorausgegangenen, von der MWS geförderten explorativen Maßnahme zusammen, die im Dezember 2025 mit einem Workshop am DHI Rom begann.
Veranstaltungen
Rom, 17-18.12.2025
Between Democracy and Dictatorship. Interdependencies and Political Transfers between Latin America, Europe and the USA in the 19th and 20th Centuries
(Internal workshop)
Santiago de Chile, 13.-14.07.2026
Between Democracy and Dictatorship. Interdependencies and Political Transfers between Latin America, Europe, and the USA in the 19th and 20th Centuries
International conference, more information
Im Rahmen der Tagung „Between Democracy and Dictatorship. Interdependencies and Political Transfers between Latin America, Europe, and the USA in the 19th and 20th Centuries“ vom 13. bis 15. Juli 2026 an der Adolfo Ibáñez University, Errázuriz Campus, in Santiago de Chile, hält Lena Bader den Vortrag „Rooted Power: Manioc as a Site of Transatlantic Biopolitics“ und Peter Geimer moderiert das vierte Panel.



