Blickwechsel #12 – Zeichenstil

Blickwechsel #12

Im Rahmen der Serie »Blickwechsel« schreiben Kolleg:innen des DFK Paris im Duo über Wort-Bild-Paare. Die daraus entstehenden Texte können verfolgt werden über www.instagram.com/dfkparis und sind auch hier auf unserer Homepage nachzulesen.

Im zwölften Beitrag von Februar 2026 tauschen sich Karin Seltmann-Dupuy und Kim Sterzel zu folgendem Wort-Bild-Paar aus:

Zeichenstil

Alice Bailly (1872-1938), Le mulet (Val d’Hérens), 1906, gravure sur bois imprimée en trois couleurs,
Paris, bibliothèque de l’INHA, collections Jacques Doucet, VI K 11 (10),
https://bibliotheque-numerique.inha.fr/idurl/1/30604 (licence ouverte Etalab)

Was das Tempozeichen in der Musik, ist der Zeichenstil in der Kunst: Grundlage für die Gesamtharmonie des Werks. Wohl ändern Künstler:innen ihre Ausrichtung – von Malerei zu Skulptur, von Zeichnung zu Druckgrafik –, doch der eigene Stil, ihre »Handschrift« bleibt. So auch bei der Schweizer Künstlerin Alice Bailly, die um 1906 nach Paris kam. Vor ihrer Wende zum Kubismus verdiente sie ihr Geld mit Holzdrucken. Der Kunstmäzen Jacques Doucet erwarb 21 davon, heute Teil der Sammlung moderner Druckgrafik der Bibliothek des INHA. Darunter ein Blatt in leuchtender Frühjahrsharmonie: Noch liegt bläulich der Schnee auf Wiesen und Hängen, aber die Morgen­sonne taucht Täler und Höhen in warmes Goldgelb. In rötlichem Siena heben sich zwei Reiter von ihrem Weg ab. Der beginnende Tag scheint viel­versprechend, die Stimmung voller Zuversicht – ganz im Zeichen des unbeugsamen Optimismus, aus dem Bailly in einer für weibliche Kunstschaffende harten Zeit ihre Energie schöpfte.

Und was geht dir angesichts dieses Wort-Bild-Paares durch den Kopf, liebe Kim?

Deine Karin Seltmann-Dupuy

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Karin Seltmann-Dupuy

Direktionssekretärin / Veranstaltungsmanagement
Telefon +33 (0)1 42 60 44 46

Eine leuchtende Frühlingslandschaft, ein Aufbruch in der Natur – die Umrisse eines Neuanfangs in der Morgensonne, Zuversicht und Optimismus ausstrahlend. Ein Kribbeln, Freude, Aufregung, zugleich ein Hauch von Überforderung, Anspannung, sogar ein bisschen Angst: ein Cocktail der Emotionen am ersten Tag der Rückkehr in eine bereits vertraute Stadt. Abseits der Kunst entspricht der Zeichenstil wohl der individuellen Wahrnehmung, der eigenen Perspektive auf die Dinge, auf Begegnungen und Erlebtes. Den eigenen Stil finden, um ein Zeichen zu setzen. Und manchmal darf man romantisieren: Bis es in Paris blüht, dauert es leider noch ein bisschen, doch wenn am ersten Arbeitstag plötzlich eine Schneeflocke nach der anderen auf der Nasenspitze schmilzt und den Platz vor dem Louvre wie mit Puderzucker bedeckt, wirkt es wie ein leiser Willkommensgruß – vielversprechend, hoffnungsvoll, ein kleines Wunder, ein neuer Anfang.

Danke, liebe Karin, für diesen Blickwechsel!

Deine Kim Sterzel

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Kim Sterzel

Kim Sterzel

Assistentin für Soziale Medien und Webseite
Telefon +33 (0)1 42 60 43 03