Blickwechsel #15 – Grundsatz

Blickwechsel #15

Im Rahmen der Serie »Blickwechsel« schreiben Kolleg:innen des DFK Paris im Duo über Wort-Bild-Paare. Die daraus entstehenden Texte können verfolgt werden über www.instagram.com/dfkparis und sind auch hier auf unserer Homepage nachzulesen.

Im fünfzehnten Beitrag von Juni 2026 tauschen sich Theresa Lambrich und Lena Bader zu folgendem Wort-Bild-Paar aus:

Grundsatz

Paul Klee, Hauptweg und Nebenwege, 1929,
Öl auf Leinwand, 83,5 × 67,5 cm,
Köln, Museum Ludwig, Inv.-Nr. ML 76/3253 (gemeinfrei)

Der »Grundsatz« wirkt auf den ersten Blick wie etwas Starres: ein festgelegter Rahmen, der Abläufe und Entscheidungen strukturiert. Doch je länger man darüber nachdenkt, desto deutlicher wird, dass Grundsätze weit mehr sind als Einschränkungen. Sie schaffen Verlässlichkeit, Orientierung und Transparenz – und am Ende implizieren sie vor allem die Ausnahme. Wissenschaft lebt von Offenheit und Kreativität, zugleich aber auch von Strukturen, die Nach­voll­zieh­barkeit von Entscheidungen sichern und einen verantwortungs­vollen Einsatz von Ressourcen gewährleisten. Grundsätze bauen zudem auf Vertrauen: Sie erlauben es, nicht jeden Fall bis ins Detail zu regeln, und schenken damit Freiheit. Diese Ambivalenz stellt das Bild von Paul Klee wunderbar dar: Die Wege scheinen in geraden Bahnen zu verlaufen – grundsätzlich. Kleinere Abweichungen und Nuancen sind jedoch erlaubt – vielleicht sogar erwünscht?

Und was geht dir angesichts dieses Wort-Bild-Paares durch den Kopf, liebe Lena?

Deine Theresa Lambrich

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Theresa Lambrich 2025

Theresa Lambrich

Directrice administrative
Téléphone +33 (0)1 42 60 32 33

Liebe Theresa, Chapeau, wie elegant du den Bogen vom starren Grundsatz zum lebendigen Vertrauen schlägst! Deine Überlegungen haben mich an eine spannende Nuance im romanischen Sprachraum erinnert: Während wir im Deutschen Vertrauen häufig als etwas beschreiben, das man empfindet oder schenkt, spricht das Französische davon, Vertrauen zu machen – »faire confiance«. Das ist es vermutlich auch, was der Soziologe Niklas Luhmann als »riskante Vorleistung« beschrieb: kein diffuses Gefühl, sondern eine aktive Entscheidung. Eine bewusste Haltung, eine Tat, eine Form von Beziehungsarbeit. Etwas davon schwingt vielleicht auch in der Formulierung »faire commun« mit. So nutze ich die Gelegenheit, Dir zu danken, liebe Theresa, für all das Gemeinsame, das Du seit Deiner Ankunft am DFK Paris vor nur wenigen Monaten – im allerbesten, romanischen Sinne – überhaupt erst machbar machst! 

Danke für diesen Blickwechsel, liebe Theresa!

Deine Lena Bader

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Lena Bader

Dr. Lena Bader

Directrice de recherches / Responsable des éditions en langue allemande (coll. Passages et Passerelles)
Téléphone +33 (0)1 42 60 41 22